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Ausgegraben: "Schwäbisches Heimatbuch" 1938 (24. Band der Bücherei des Bundes), im Auftrag des Bundes für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern (BfH) herausgegeben, von Felix Schuster, Selbstverlag des BfH, Stuttgart
Am 26. November 1937 hielt der bekannte Berater des Generalbauinspektors Dr. Todt in Fragen der Landschaftsgestaltung beim Bau der Reichsautobahnen Architekt Alwin Seifert, München, im Rahmen der Gastvorlesung an der Technischen Hochschule in Stuttgart im großen Hörsaal einen Vortrag über diese Frage von schicksalhafter Bedeutung.
Der Redner wies vor allem auf die bedrohlichen Erscheinungen hin, die durch zu weitgehende Eingriffe in den Wasserhaushalt der Natur, durch die vielen "Kultivierungen", die Fluss- und Bachregulierungen, durch Schaffung großer, künstlicher Wasserflächen entstehen. Er schlug mit Recht vor, dass alles, was bisher an Kultivierungen aller Art gemacht wurde, daraufhin nachgeprüft werde, ob der erwartete Erfolg eingetreten ist. Eindeutig wandte er sich gegen die immer mehr überhandnehmende Mechanisierung und Mathematisierung der Landschaft. Die Natur könnte wohl gebändigt, sie dürfe aber nicht getötet werden. Früher war ein Kulturwille da, dass nichts schlecht gemacht werden durfte. Denn nur die unvollkommene Technik wirkt hässlich. Das Naturnähere gibt dem Menschen Freude und Selbstsicherheit. Deshalb wandte sich Seifert auch mit Recht gegen die Verwendung von Zement und Beton in der Landschaft (vgl. Weinbergmauern auch bei uns da und dort!) und trat für die Ausführung in Naturstein ein, wie es bei den Reichsautobahnen vorbildlich geschieht.
Er forderte - wie der Heimatschutz - gerade in der Landschaft die Vereinigung der Gegensätze zur Harmonie. Bäume und Hecken auf den Feldern, Wald mit den Beständen, die auf den jeweiligen Boden gehören, Wasserbau und Kunstbauten den Gesetzen des natürlichen Wasserhaushalts unterworfen, Wiederherstellung des Auwaldes an den Wasserläufen und sinnvolles Vorgehen bei der Trockenlegung von Wiesen und Mooren war die Forderung des Redners. Vor allem aber wieder die Anlegung von so viel Teichen als möglich und über das ganze Land verstreut.
Die Ausführungen wurden durch eine große Zahl sehr schöner Landschaftsbilder und schlagender "Gegenbeispiele" veranschaulicht. Der Vortrag klang aus in die ernste Mahnung, die dem Heimatschutz ganz aus dem Herzen gesprochen war: Wenn wir unsere Landschaft veröden, zur Steppe werden lassen - im eigentlichen und bildlichen Sinn - dann ist sie nicht mehr unsere Heimat. Unsere Landschaft beruht auf Vielgestaltigkeit. Mögen diese ernsten Worte an alle die Stellen dringen, die für unsere Landschaft verantwortlich sind, und überall Beachtung finden.
Vgl. Schwäb. Heimatbuch 1937 Buchbesprechungen Seite 172: Die Versteppung Deutschlands von Architekt Alwin Seifert, Verlag Theodor Weicher, Leipzig. Preis RM. 1.50 br
Recherchiert: Waltraud Pustal
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